Die Moorböden lösen sich in Luft auf



Vor der Juragewässerkorrektion beherbergte das 3-Seen-Land ausgedehnte Feuchtgebiete. Deshalb verfügt es über einen hohen Anteil an Moorböden. Doch diese Flächen haben in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Als Folge der Trockenlegung für die Besiedelung und Kultivierung zersetzt sich der Torf und belastet das Klima. Damit nagt die Landwirtschaft an ihrer eigenen Produktionsgrundlage. Sollen die Moorböden ihre ökologischen Funktionen vollständig erfüllen können, sind grundlegende Anpassungen erforderlich.


Entwässerte Torfböden senken sich laufend ab. Vor Jahrzehnten gebaute Entwässerungsschächte – wie hier in Ried bei Kerzers – ragen deshalb heute meterhoch aus den Feldern. (Bild: Anja Fonseka)

Wer durch das Grosse Moos fährt, dem fällt vielerorts zwischen Murten-, Neuenburger- und Bielersee die leicht erhöhte Lage der Strassen und Feldwege auf. Beeindruckend ist auch, dass Entwässerungsschächte und die Betonfundamente von Strommasten bisweilen meterhoch aus den Feldern ragen. Es sind dies untrügliche Zeichen der gravierenden Bodenverluste, die hier vor rund 100 Jahren mit der Trockenlegung und Kultivierung der Torfböden eingesetzt haben.

Sie betreffen vor allem die von Stau- und Grundwasser geprägten Böden der Schwemmebenen, die durch ihren hohen Torf- oder Humusgehalt eine dunkle bis schwarze Färbung aufweisen.

Ein entwässerter und ungeschützter Torfboden verliert durch Oxidation seiner organischen Substanz jährlich 1 bis 2 Zentimeter an Mächtigkeit, womit sich das Land laufend absenkt. Durch diesen Torfschwund hat die Gesamtfläche der Moorböden im 3-Seen-Land im Lauf der letzten Jahrzehnte von ursprünglich rund 10'000 Hektaren auf heute noch etwa 5000 Hektaren abgenommen. Grössere Torfbestände blieben am ehesten in den Muldenlagen früherer Wasserläufe erhalten.

Die zum Teil um bis zu 2 Meter abgesackten Äcker auf degradierten Moorböden werden – wie hier bei Walperswil (BE) – mit Bodenabtrag von Baustellen aufgefüllt. (Bild: Klaus Lanz)



Was läuft falsch?

︎ Wegen tiefer Grundwasserspiegel trocknet der Torf aus. Damit gelangt mehr Luftsauerstoff in die organischen Böden und deren Abbau durch Mikroorganismen wird beschleunigt.

︎ Mit konventionellen Methoden ist auf Moosböden kein nachhaltiger Ackerbau möglich, denn die Bodenbearbeitung beschleunigt den Torfschwund.

︎ Bei durchschnittlichen Bodenabsenkungen von 1 Zentimeter pro Jahr verschwinden im 3-Seen-Land auf der verbliebenen Moorfläche von rund 5000 Hektaren alljährlich 500'000 Kubikmeter Bodenmaterial.

︎ Die Torfverluste setzen grosse Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid frei.

︎ Durch den Torfschwund liegen die Drainagen nicht mehr tief genug im Boden. Sie leiten bei anhaltenden Niederschlägen das Regenwasser schlecht ab, was zu dauerhaften Vernässungen führen kann.

︎ Bisherige Versuche zur technischen Reparatur der Bodenabsenkungen mit Aushubmaterial von Baustellen verlaufen oft unkontrolliert.

Die Moore wiederbeleben

Im Gebiet des 3-Seen-Landes befindet sich ein erheblicher Teil der in der Schweiz noch verbliebenen Moorböden. Weil diese durch die Bewirtschaftung laufend degradieren, häufig durch schwere Landmaschinen verdichtet und zunehmend vernässt sind, lassen sie sich teilweise kaum mehr vernünftig bewirtschaften. Auf diesen Flächen bietet sich eine Chance, die umweltbelastenden Bodenverluste durch eine dauerhafte Wiedervernässung zu stoppen.

Als Besitzer der drei grössten Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz sind die Kantone Bern, Freiburg und Waadt prädestiniert, mit ihren Strafanstalten in Witzwil, Bellechasse und in der Orbe-Ebene eine Vorreiterrolle einzunehmen. Hier besteht Spielraum für eine standortangepasste Bewirtschaftung und die Umnutzung degradierter Äcker zu Feucht- oder Ökoflächen.

Vor hundert Jahren wurden die Moorböden im Grossen Moos vor allem durch den Torfabbau zerstört – wie hier in Gampelen bei Ins (BE). Heute beschleunigt die Bodenbearbeitung den Torfschwund, denn mit konventionellen Methoden ist auf Moosböden kein nachhaltiger Ackerbau möglich. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Bern)




Die Vision für gesündere Böden

︎ Die Bodenversiegelung ist bis 2050 aufgehalten. Wird unversiegelter Boden überbaut, so muss eine gleich grosse Fläche rekultiviert, aufgewertet oder renaturiert werden.

︎ Die Böden weisen bis 2050 flächendeckend eine ausreichende Qualität auf. Die Bodendegradation ist gestoppt, und eine minimal erforderliche Gründigkeit sowie die Bodengesundheit sind dauerhaft gesichert.

︎ Die Landwirtschaft im 3-Seen-Land produziert auf geeigneten Böden, so dass diese langfristig erhalten bleiben.

︎ Ungeeignete, vernässte Böden oder gefährdete Torfflächen werden nicht mehr für den Ackerbau genutzt.



Solche Buntbrachen fördern die Regenerationsfähigkeit des Ackerlandes. Damit die Böden langfristig erhalten bleiben, muss die Landwirtschaft an geeigneten Standorten produzieren.  (Bild: Wikimedia Commons, Muriel Bendel)

So wird die Vision zur Realität


Bodendaten als Leitschnur
Bis 2030 braucht es eine flächendeckende und öffentlich zugängliche Bodenkarte des 3-Seen-Landes mit allen wichtigen Bodeninformationen. Diese sollen Eingang in die Raumplanung finden und die Flächennutzung innerhalb und ausserhalb der Bauzonen optimieren. Tieftorfige Böden und degradierte Flächen sind aus dem Kataster der Fruchtfolgeflächen auszuschliessen. Bei der Neuversiegelung von Böden soll eine Kompensationspflicht gelten.

Überwachung der Bodenqualität
Das Bodenmonitoring wird gestärkt und insbesondere der Humusabbau und Torfschwund im Seeland überwacht. Mit dem Ziel einer ausgeglichenen oder positiven Entwicklung werden die Humusbilanzen in der Landwirtschaft regelmässig und parzellenscharf kontrolliert.

Verbesserung der Bodenqualität
Land- und Forstwirtschaft treffen Massnahmen, um Bodenverdichtung und Erosion zu vermeiden. Zum Schutz der Bodenlebewesen werden schädliche Pestizide nicht mehr eingesetzt. Der Anbau von besonders umweltbelastenden Gemüsekulturen erfolgt bodenunabhängig und vorzugsweise in Treibhäusern mit geschlossenen Stoffkreisläufen. Diese sollen in Gewerbezonen stehen.

Gezielte Bodenaufwertung
Für Bauprojekte braucht es behördliche Auflagen zur Bodenverwertung. Eine lückenlose Erfassung der Materialflüsse auf grösseren Baustellen und in Deponien soll wilde und illegale Depots von Bodenmaterialien verhindern. Dank Bodenumschlagplätzen bleibt verwertbares Bodenmaterial für Rekultivierungen erhalten. Die Aufwertung abgesackter Böden erfolgt gestützt auf Bodendaten, und die Ziele der Raumplanung sind regional optimiert.


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